Erschriebenes Leiden. Zum internationalen Literaturpreis „Gesund schreiben“und dem Wert des Erzählens.

Der mit 4.000 Euro dotierte internationale Literaturpreis Gesund schreiben der Wiener Ärztekammer wurde 2021 zum zweiten Mal verliehen. Als diesjährigen Siegertext wählte die Jury mein Prosadebüt „Was der Fall ist. Ein Stundenheft.“ aus. Da es in meinem Text um eine unheilbar erkrankte Protagonistin geht, mache ich mir in diesem Blogpost Gedanken zu Gesundheit, Krankheit, erschriebenem Leiden und dem Wert des Erzählens.

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Fechten für die gute Sache. August Gemming als cleverer Markteer

Not macht erfinderisch. Der Humorist August Gemming, 1888 erneut knapp bei Kasse, versucht, mit seinen Werken Geld zu machen. Um den Absatz zu steigern, fällt er auf die Idee, diese im Bundling anzubieten. 5 Mark soll das Gesamtoeuvre kosten Darüber hinaus verspricht er, einen Teilerlös zu spenden:

Ein Theil des Betrags geht in die Cassa der Deutschen Reichsfechtschule.
G e m m i n g, Fechtmeister

Nachwort zu „Scherz und Ernst in Poesie und Prosa“, S. 64

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Der Ochs, der nie ein Kalb war. August Gustl Gemming und die Fleischbrücke zu Nürnberg

Zu Gemmings Lebzeiten ist der Ochse als Arbeitstier noch Alltag. Doch im aufstrebenden Maschinenzeitalter werden die Zugtiere nach und nach ersetzt. Gemming verbindet mit dem Tier eine doppelte Heimaterinnerung. Einmal das Lasttier seiner frühen Kindheit rund um den Rothenberg im bäuerlichen Umfeld der fränkischen Alb. Sodann aber auch als Steinskulptur zum Fleischhaus. Der Lyriker Gemming widmet dem Ochsenportal zu Nürnberg ein Gedicht.

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„Abgereist“. Weinagent Gemming und der leidige Vertrieb im Gedicht

Nachdem seine Arbeiten als Satirischer Zeichner, Komponist und Schriftsteller keine nennenswerte Früchte tragen, musste August Gustl Gemming bald andere Verdienstmöglichkeiten für sich auftun. Er probiert es mit Saisonjobs wie Fremdenführer, aber auch als Weinagent und Verkäufer von Petroleumlampen. Ein Gedicht über einen gewissen „G-.“ , der als Versicherungsvertreter für Schlechtwetter-Policen unterwegs ist, dürfte daher einen realbiographischen Hintergrund haben. Literarisch verwandelt Gemming die Kernaufgabe des Handelsreisenden in eine aufschlussreiche Vertriebs(tor-)tour.

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Gemmings Hasen. Vignette, Signatur, Lebenschiffre

August Gustl Gemming betitelt seinen lyrischen Erstling „Poetische Verbrechen.“ Den Buchdeckel zieren zwei Feldhasen. Sie sitzen Seit an Seit unter dem Namen des Autors. Der rechte fixiert den Leser mit durchdringenden Augen, der linke kehrt ihm den Stummelschwanz zu. Die Vorlage zu dieser Vignette hat Gemming vermutlich selbst gezeichnet. Später greift er auf einen Holzschnitt von Theuerkorn zurück.

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